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Bildung und Wissen: Niemals wieder in der Bildungsarbeit

24.03.2025

"Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler", behauptete pessimistisch die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann. Andererseits stellte sie fest: "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar."

Wie können wir uns tatsächlich der Frage des "Nie wieder" und des "Aus der Geschichte lernen bzw. die richtigen Schlüsse ziehen" annähern? Der deutsche Politikwissenschafter Herfried Münkler, der kürzlich das überaus lesenswerte Werk "Welt im Aufruhr" veröffentlicht hat, bemerkte zu Recht:

"Trotz der allgemeinen Befürchtung, dass wir aus der Geschichte entweder nichts oder das Falsche lernen, gibt es doch immer wieder das Bedürfnis, aus dem Vergangenen zu lernen, um den gegenwärtigen Herausforderungen gewachsen zu sein. Die passende Methode dafür wäre der wohlverstandene Vergleich: einer, der Ähnlichkeiten und Unterschiede identifiziert und sich darin von der platten Gleichsetzung unterscheidet."

Ähnliches sagte Golo Mann 1965 in seinem Festvortrag anlässlich des 600-jährigen Bestehens der Universität Wien:

"Man muss die Vergangenheit kennen, um sich von der Zukunft nicht überwältigen zu lassen. Man muss das Alte kennen, gerade um zu unterscheiden, was im Neuen neu ist, was nicht mehr geht, was völlig anders gemacht werden muss. Ebenso auch: Was im Neuen alt ist und bleibend ist. Wie Menschen handelten und warum, was ihre Motive waren und wie sie sich mischten, Staatsräson und Tradition, Stolz und Rechthaberei, Gier, Furcht, Opportunismus, wie ihre Taten ihren Ideen widersprachen; das zum allermindesten, lehrt uns das Studium der Geschichte."

Diesen Zitaten seien noch zwei weitere hinzugefügt, die für unser Handeln und Denken im Heute und Morgen leitend sein sollten. Volker Ullrich, von dem vor wenigen Monaten das Buch "Schicksalsstunden einer Demokratie. Das aufhaltsame Scheitern der Weimarer Republik" erschienen ist, sagt:

"Es kommt entscheidend darauf an, wie sich einzelne Menschen in konkreten Situationen verhalten. Wir haben es in der Hand, ob unsere Demokratie scheitert oder überlebt".

Und von Christopher Clark, dem Autor des fundamentalen Werks über die Ursachen des Ersten Weltkriegs, "Die Schlafwandler", stammt die Aussage:

"Was es für die Zukunft braucht, ist eine hellhörige breite politische Mitte, die gleichzeitig genau nach rechts und links hört und die Ängste und Sorgen der Menschen ernst nimmt. Warum die breite Mitte? In der Vergangenheit waren beide Extreme, die extreme Rechte, der Nationalsozialismus, und die extreme Linke, der Stalinismus, schon einmal da; beides endete katastrophal."

All dem ist beizupflichten. Zeithistorischem Wissen entsprechende politische Bildung – lebenslang angeboten, inklusive der Vermittlung des kritischen Umgangs mit den digitalen Medien – ist entscheidend für die Sensibilisierung, Immunisierung und Resilienz unserer Gesellschaft und liberalen Demokratie angesichts extremistischer, fundamentalistischer, antisemitischer und xenophober Bedrohungen.

In dieser Haltung sollte präventiv für das zwingend notwendige "Niemals wieder" gearbeitet werden. Wir haben es in unserer Hand!

Herwig Hösele
Vorsitzender des Kuratoriums des Zukunftsfonds der Republik Österreich

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