Gemeinsam für ein Niemals Wieder und gegen Antisemitismus
02.04.2025

Im Gedenkjahr 2025 jährt sich die Befreiung des KZ Mauthausen mit seinen mehr als 40 Außenlagern zum 80. Mal.
80 Jahre sind seit dem Sieg über die Nationalsozialisten, dem Sieg über die antisemitische Vernichtungsideologie und über das "Herrenrassendenken" vergangen – ein Jubiläum, das für alle Freunde des Lebens und der Freiheit ein Grund zur Freude ist. Aber ist die Befreiung wirklich abgeschlossen?
Das NS-Regime wurde besiegt, die Gaskammern wurden abgedreht. Doch wurde die Gesellschaft vom Geist des Judenhasses, des "Herrenmenschendenkens", des Rassismus tatsächlich befreit?
Leider sind wir mit einem stark zunehmenden Antisemitismus konfrontiert.
Weltweit sehen sich Jüdinnen und Juden einer massiven Bedrohung ausgesetzt, und es wird viel zu wenig beleuchtet, dass der Vernichtungsantisemitismus der Nazis heute weiterlebt.
In manch einem Keller in Österreich wird über die Vergasung einer siebten Million gesungen. Noch offener wird diese Ideologie von extremistischen Regimes wie dem des Iran, das den jüdischen Staat Israel vernichten möchte, oder von islamistischen Terrororganisationen wie der Hamas und dem Islamischen Dschihad fortgesetzt. Hierbei sollten wir uns die Kontinuitäten des Judenhasses bewusst machen, denn der damalige Großmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, war ein Verbündeter Hitlers, er war beteiligt an der Verfolgung der Jüdinnen und Juden und begeistert von der Idee ihrer Vernichtung.
Diese Regimes und Organisationen verfolgen das gleiche Ziel wie einst die Nazis und ihre Helfer: Sie streben danach, möglichst viele Jüdinnen und Juden zu töten, und zwar weil sie Jüdinnen und Juden sind. Genau das ist am 7. Oktober 2023 in Israel beim furchtbarsten antisemitischen Massaker seit der Shoah passiert. Während ich diese Zeilen schreibe, befinden sich noch immer 59 unschuldige Geiseln in der Gewalt der NS-verherrlichenden Terroristen in Gaza.
80 Jahre nach der Befreiung der Vernichtungslager müssen wir also feststellen, dass die Ideologie, die nach Mauthausen, Auschwitz und all die anderen Orte der Shoah geführt hat, noch immer nicht besiegt ist.
An diesen Hass dürfen wir uns niemals gewöhnen. Wir müssen tatsächlich gemeinsam für ein "Niemals Wieder" einstehen, in Taten und nicht nur in Sonntagsreden, und lange bevor es zu einer Katastrophe wie der Shoah überhaupt kommen kann.
Doch was sehen wir, wenn wir in die Welt blicken:
Eine Million Muslim:innen wird in China in Lagern gehalten zur "Umerziehung".
Kurd:innen werden in ihren Ländern im Nahen Osten verfolgt und unterdrückt.
Denken wir neben dem genozidalen Massaker der Hamas auch an die Genozide im Sudan oder in Srebrenica. Auch diese bauten auf einer Ideologie auf, die die eigene Gruppe als höherwertig betrachtet.
Und denken wir auch an den Terror bei uns, etwa die Tragödie von Villach – bei dem Anschlag wurde ein 14-jähriger Bursche getötet. Warum? Weil er nicht so war, wie sich der islamistische Täter das vorgestellt hatte. Weil er in seinen Augen "minderwertig" war. Der Ungeist lebt also weiter.
Es liegt daher an jedem und jeder Einzelnen, kämpferisch für eine Welt einzustehen, in der jede Person, unabhängig ihrer Herkunft oder Religion, ihres Geschlechts oder sexueller Orientierung, in Frieden und Würde leben kann. Das ist unser Auftrag für ein Niemals Wieder.
Oskar Deutsch
Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien
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Wie können wir uns tatsächlich der Frage des "Nie wieder" und des "Aus der Geschichte lernen bzw. die richtigen Schlüsse ziehen" annähern?